Das war der 9. Rot-Weiße Salon
Mit Silvia Trompeteler, Heiner Bertram, Jörg Steinberg und Thomas „Theo“ Koerner
Am 24. März fand der Rot-Weiße Salon zum 9. Mal statt. Matze Koch holte wieder unaufdringlich charmant aber gekonnt und gewitzt zahlreiche Anekdoten aus seinen losgelösten Gästen, die um ihn gescharrt auf der Altstadtbühne saßen:
Silvia Trompeteler gehört zum Stammpublikum der Union-Frauen in der 1. Bundesliga. Sie fährt sogar bisweilen mit zu den Auswärtsspielen. Einst trug sie selbst das Trikot von Union. Zwischen 1969 und 1971 gehörte sie zu den Pionierinnen des Frauen-Fußballs beim FCU. „Wir waren in Köpenick in der Lindenstraße Studentinnen am Institut für Lehrerbildung. Zwei aus unserer Gruppe gehörten zu den Schiedsrichterinnen von Union. Die hatten die Idee, es auch mal selbst auszuprobieren. Ich habe mitgemacht. Und dann sind wir hin zu Union“, berichtete Trompeter über die Anfänge. Das Aus für die Union-Frauen der ersten Generation kam sportpolitisch verordnet. 1971 mussten sie zu KWO Berlin wechseln, weil ihr Volkssport nach Ansicht von Sportbossen nicht zum Leistungsgedanken in Fußballclubs passte. Trompeteler: „Wir waren eben keine Leistungssportler.“
Heiner Bertram amtierte zwischen 1997 und 2003 als Union-Präsident. Er kennt den Verein aus stürmischen Zeiten. Ende 1997 signalisierte Bertram dem Aufsichtsrat, dass man Insolvenz anmelden müsse. In den ersten Januartagen des Jahres 1998 meldete sich dann Dr. Michael Kölmel bei Union. Der Filmrechtehändler und Unternehmer beglich kurzfristige Forderungen. Kölmels Millionenspritzen ließen Union unter Trainer Georgi Wassilew 2001 in die 2. Liga aufsteigen sowie ins DFB-Pokalfinale und in den UEFA-Cup stürmen. Die Entmachtung als Präsident 2003 missfiel Betram. Später hätte er sich mehr Anerkennung vom Verein gewünscht. Er sagt aber heute: „Ich freue mich ganz besonders über den Erfolg von Union. Ich weiß, dass Präsident Dirk Zingler großen Anteil daran besitzt.“
Jörg Steinberg ist vielen Unionern als Regisseur des Theaterstücks „Und niemals vergessen: Eisern Union – Das Stück zum Spiel“ bekannt, das in diesem Sommer auch im Stadion der Alten Försterei aufgeführt wird. Das Stück feierte 2006 – lange vor Eisern verschossen – Premiere und ließ Unioner 20 Jahre lang jeden Dezember in Strömen in die Freiheit pilgern. Der Prolog des Stücks läuft bei jedem Union-Heimspiel vor der Hymne von Nina Hagen. Viele denken, dass der Text von Schauspieler Chris Lopatta gesprochen wird. Aber nein, zu hören ist Steinberg. Der ist seit Jahrzehnten Union-Fan. Er sagt zur schwierigen Rückrunde der Männer: „Wer seit 20 Jahren zur Union geht, hat schon bessere Zeiten gesehen. Aber wer seit 40 Jahren dabei ist, lebt immer noch seinen Traum. Wir spielen seit sieben Jahre in der Bundesliga. Wer hätte das vor zehn oder 20 Jahren gedacht? Das ist unglaublich. Wir müssen immer wissen, wo wir herkommen.“
Thomas „Theo“ Koerner, ist seit 50 Jahren Unioner und seit Anfang der 1980er Jahre aktiver Begleiter des Fan-Fußballs bei Union. Koerner ist sogar mit der Schöpfung des späteren Union-Maskottchen Ritter Keule verbunden. Koerner hatte in der DDR-Oberliga-Saison 1976/77 ein Transparent am Start, das im Stadion der Weltjugend gegen den Erzrivalen BFC Dynamo (1:0) im Frühjahr 1977 einen Ritter mit Keule zeigte. Koerner: „Das war dann gleichzeitig die Geburtsstunde des Eisernen Ritters, also des Papas von Ritter Keule“. Koerner erzählte, wie er auf das Motiv gekommen ist: „Mir wurde eine grüne Fu-Wo aus Westberlin mitgebracht. Da war nach einem 2:1-Sieg von Union gegen Jena eine Zeichnung zu sehen, in der ein kleiner Unioner mit Ritterrüstung und Sporthose und einer großen Keule auf den Kopf eines Spielers von Carl Zeiss einschlug.“
Der nächste Rot-Weiße Salon findet am 12. Mai 2026 um 19 Uhr statt.
Mit dabei sind Ex-Union-Profi Ronny Nikol, Unions Torwart-Legende Wolfgang „Potti“ Matthies und Union-Torwarttrainer Michael Gspurning.
Die nächsten Termine von Eisern verschossen – verliebt in einen Unioner und Eisern verschossen 2 – bis das Tor uns scheidet sind ebenfalls online: